Demokratie NEU denken

Chancen nützen - Miteinander gestalten

 

WIR MACHEN DEMOKRATIE LEBENDIG:
mit Bildung, die sich an den Interessen und Talenten orientiert,

mit transparenten Medien und Informationsfreiheit,
mit direkter Demokratie und der Einbindung der Bevölkerung in wichtige Entscheidungen

und mit neuen Partizipationswerkzeugen zu einer innovativen Demokratie!

 

 

Einführendes Impulsreferat: Dr. Roman Langer (JKU Linz)
nähere Infos

 

Die Ergebnisse des Workshops gibt es hier!

 


 

Wir bieten:
inhaltliche Diskussionen & Vernetzung mit PolitikerInnen, UnternehmerInnen & jungen GestalterInnen, Best-Practice-Cases kennen lernen, Methodenvielfalt im Workshop & Unterstützung bei DEINER Projektidee!

Ziel:
Die TeilnehmerInnen sollen vom Symposium und den Workshops nicht nur viele Ideen  für eine lebendig(er)e Demokratie mitnehmen, sondern diese auch in konkrete Projektideen umsetzen. Dazu dienen Methoden, Ressourcen und Vernetzung im Workshop mit PolitikerInnen, UnternehmerInnen und anderen jungen GestalterInnen.

Jeder kann etwas bewegen!

   Themen    Methoden
  • DEIN Projekt
  • Bildung
  • Partizipation
  • Informationsfreiheit
  • transparente Medien
  • direkte Demokratie
  • Speeddating
  • Sesseldiskurs
  • World-Cafe
  • Best-Practice-Fair
  • Lawinengespräch
  • Hot Chair
  • Fish Bowl

 

Impulsreferat durch Dr. Roman Langer:

Dr. Dipl.-Soz. Roman Langer ist Assistenzprofessor am Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes-Kepler-Universität Linz. Er betreibt sozialwissenschaftliche Bildungsforschung auf den Gebieten: Das Bildungssystem, seine Dynamiken, seine Starrheiten und sein Zusammenhang mit anderen gesellschaftlichen Systemen; Bildungsungleichheit; soziale Lern- und Umstrukturierungsprozesse; Theorie sozialer Mechanismen; Schüler/innenrolle; qualitativ-empirische Methoden. Roman Langer ist mit den Neuen Sozialen Bewegungen der 70er/80erJahre aufgewachsen (Anti-Atom-, Umwelt-, Friedens-, grün-alternative, feministische Bewegung) und aus Enttäuschung über deren Einpassung in die neoliberale Wirtschaftspolitik sehr skeptisch gegenüber gesellschaftlichen Demokratisierungsprozessen geworden.

Ungebildete Demokratie, undemokratische Bildung? Sechs Thesen:

1. Das gesetzlich festgeschriebene Mitbestimmungsrecht von Schüler/innen wird heute nicht mit Leben gefüllt, sondern ergibt eine Sandkastendemokratie. De facto können Schüler/innen nur über Randbereiche, nicht aber über Kernbereiche der Schule mitbestimmen (Unterricht, Bücher, Schulbudget, Einstellung von Lehrkräften). Alles andere obliegt dem good will von Direktor/inn/en oder einzelnen Lehrkräften.

2. Das demokratisch zentrale Element der politischen Willensbildung – der Formulierung von Erwartungen, Interessen und Bewertungen, die sich aus der eigenen sozialen Lage (Position) ableiten lassen – wird in Schulen nicht genügend vermittelt und gelernt. Dasselbe gilt für die Frage, wie Interessen usw. in der Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Interessen, Erwartungen und Bewertungen vertreten, angepasst, durchgesetzt, Kompromissen und Konsensen zugeführt werden können. Wie verhandelt, argumentiert man? Wo hört Überzeugungsarbeit auf und setzt Betrug oder Demagogie ein? Was heißt es, sich aufs „Allgemeinwohl“ zu beziehen und nicht nur auf die eigenen Interessen?

3. Die Grunderfahrung in der Schule ist daher nicht die eines demokratisch verantwortlichen und einflussreichen Handelns, sondern der möglichst geschickten Anpassung an willkürliche Autoritäten (auch im Klassenverband und auf dem Pausenhof!), und der verschlagenen, bauernschlauen, egozentrischen „Ich mach das Beste draus“-Strategie. In Affären wie der um Karl-Heinz Grasser zeigen sich die Auswirkungen nur am deutlichsten.

4. Auch inhaltlich wird nicht genügend Demokratie vermittelt. Die Staatsbürgerkunde, die sich nur darum kümmert, wie eine Demokratie den formalen Buchstaben des Gesetzes nach sein soll, ist in dieser Form nicht mehr hinreichend. Sie müsste ergänzt werden darum, wie Demokratie praktisch funktioniert: Wie Lobbyismus den Parlamentarismus ergänzt, wie Massenmedien (meistens: als Wirtschaftsunternehmen!) mit Öffentlichkeit und Politik verquickt sind, wie heute faktisch im internationalen Maßstab Politik gemacht wird. – Ein gutes Anschauungsbeispiel dafür sind die großen Bildungsreformen (Bologna-Prozess, PISA & Co), die von nationalen Parlamenten nicht legitimiert worden sind. Dafür folgen sie einer klaren wirtschaftspolitischen Agenda.

5. Der allgemeine europäische Ruf nach „mehr Bildung“ ist mit Vorsicht zu genießen. Man verspricht sich heute von „mehr Bildung“, von „lebenslangem Lernen“ individuellen sozialen Aufstieg, individuelle Partizipation an der Gesellschaft, eine demokratischere Gesellschaft mit weniger sozialen Ungerechtigkeiten und vor allem Erfolg im internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb, also Sicherung des Wohlstands. – Aber: (1) Nicht alle können gleichzeitig sozial aufsteigen, im Gegenteil, die herkunftsbedingte Ungleichheit ist in Österreich nach wie vor besonders hoch und wird im Bildungssystem mitreproduziert. (2) Die Kosten und Anstrengungen fürs lebenslange Lernen – das oft genug meint: lebenslange Anpassung an die Forderungen der Eliten und der Chefs – werden weg von den Institutionen und hin auf die Personen überwälzt. Diese schuften immer härter, so dass sie nicht mehr zum Nachdenken, zur demokratischen Willensbildung kommen. Gleichzeitig werden ihnen, allen voran den Südeuropäer/inne/n, alle Chancen auf eine einigermaßen lebbare Perspektive genommen. (3) Im Nationalsozialismus hat sich gezeigt, dass „gebildete“ Personen keineswegs auch demokratischere Personen sind. (4) Das Weltbild der internationalen Konkurrenz ist fragwürdig.

6. Da zudem die Universitäten inzwischen ihre Funktion als kritische Reflexionsinstanz der Gesellschaft verlieren, stehen demokratiebildende Bewegungen auf verlorenem Posten.